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Hier kommt Alain zu Wort, der die Gabe hat, viele Dinge, dich ich so erlebt habe, in Worte zu fassen.. Vielen Dank Alain. |
| Hauptantriebskraft in der Erotik ist für mich die Sinnlichkeit, eine Sinnlichkeit, die ins ganze Leben ausstrahlt, auch in einem Glas Wein bei Kerzenschein, einem liebevoll zubereitetem Mal, einem Aperitif zu finden sein kann, eine Sinnlichkeit die das Leben liebt und den Menschen öffnet auch für andere Menschen, eine Sinnlichkeit, in der man sein Ich akzeptiert, sich annimmt und bereit ist den Anderen anzunehmen und aufzufangen. |
| Mir sagte einmal sehr treffend eine Frau, dass der Unterschied zwischen sinnlicher Erotik und Sex ebenso weit voneinander entfernt sind, wie eine japanische Teezeremonie in einem japanischen Garten und das Hinunterstürzen eines Glases Wasser gegen das Verdursten in der Wüste. |
| Wie oft wurde ich gefragt, ob Sinnlichkeit und Dominanz nicht Widersprüche in sich selbst seien...Sie sind es NICHT, wenn beide Partner sich mögen, der submissive Partner dem dominanten Partner vertrauen kann, sich ihm hingeben kann, sie KÖNNEN Widersprüche sein, wenn der dominante Partner sich nicht einfühlen kann, ausufert, sich selbst nicht im Griff hat, vielleicht sogar seinen Haß und seine Verachtung Frauen gegenüber kompensieren will. |
| Dieses Vertrauen aber muß jeder dominante Mensch sich erst erwerben, jeder Partner mit devoten Neigungen sollte sehr vorsichtig die Hintergründe der Dominanz des Partners ergründen, bevor er/sie sich dem Anderen ausliefert und so eventuell schlechte Erfahrungen sammelt, die alle geträumten Träume zunichte machen können. |
| BDSM MUSS nicht schmerzhaft sein, es KANN, wenn es erwünscht ist, wenn der Schmerz in einer Weise dem submissiven Bedürfnis angepasst ist und als lustvoll empfunden wird. Bei mir hat sich sehr langsam die Bereitschaft entwickeln müssen, diesem Schmerzbedürfnis zu entsprechen, hört auf jeden Fall aber immer noch da auf, wo die Brutalität anfängt, Blut fließt, Nadeln und Messer die Haut verletzen, denn da ist MEINE Sinnlichkeit als Dom verletzt. |
| Je nach dem Bedürfnis der Partnerin kann sinnliches BDSM beim Verbinden der Augen, dem Fesseln der Hände oder der Füße beginnen, aus quälender Extase auf dem Weg zu einem Höhepunkt bestehen, kann voller Zärtlichkeit beginnen, sich nach Bedarf steigern bis hin zum harten Genommenwerden, dem Gebrauch von heißem Wachs, dem Einsatz von Klammern, dem Mittel des Spanking, sei es mit der Hand, der Gerte oder der Peitsche. Oftmals wird auch die verbale Erniedrigung der Dienerin als sehr lustvoll empfunden, aber wie Alles, so sind auch die Vorstellungen, was lustvoll ist, was aufgeilend ist, wie frau / man zur Extase in einer Art Trance gelangt durchaus von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Hierbei ist eine gewisse Erfahrung im Umgang mit dem Körper des Partners natürlich sehr wichtig, Einfühlsamkeit in den Partner unerlässlich. Ist dies aber alles vorhanden und man beginnt es eher zu vorsichtig als über das Ziel hinausschießend, so kann BDSM Lust, Glück, Extase und tiefste Befriedigung bedeuten. |
| Wichtig aus meiner Sicht ist es, den devoten Partner spüren zu lassen, dass niemals die Achtung vor ihm als Menschen schwindet, er sich nach einem solchen Erlebnis wieder in Zärtlichkeit und Respekt aufgefangen fühlt, sich nicht seiner Bedürfnisse wegen vor dem Partner schämen muß. Mit lieben Grüßen, Alain |
| Dominanz kann eine kaum wahrnehmbare Schwingung sein, die in Sub ein Erdbeben auslöst. Das leise Wort wirkt, der brüllende Wüterich wirkt - lächerlich. Wer Kontrolle ausüben und Sicherheit geben will, braucht Selbstkontrolle und Selbstsicherheit. |
| Aber Doms sind Menschen und keine Götter. Sie haben auch Rechte: Doms haben das Recht, in ihrer gesamten Persönlichkeit wahrgenommen und respektiert zu werden. Doms haben das Recht auf Gefühle. Doms haben das Recht, Fehler zu machen und einzugestehen. Doms haben das Recht, Schmerzspiele abzulehnen. Doms haben das Recht, Schwäche zu zeigen. |
| Doms haben das Recht, sich vor Überforderung zu schützen. |
| Der Dom - und das alles gilt natürlich auch für die Domme - nimmt die Führungsrolle ein. Ob im Rahmen eines begrenzten erotischen Spiels mit inszeniertem Machtgefälle oder über diesen Rahmen hinaus, entscheiden die Beteiligten. Im Lauf einer Beziehung kann dieser "Metakonsens" immer wieder neu definiert werden. Aber innerhalb der jeweils gültigen Grenzen, ist Dom derjenige, der die Regeln setzt, ihre Einhaltung kontrolliert und sanktioniert. Was hier so technokratisch klingt, macht auch für Subs nicht selten gerade den "Kick" aus und kann, über die zeitlich begrenzte Session hinaus, äußerst erotisierend in den Alltag hinein wirken. Aber Vorsicht, Falle: Wer Regeln setzt, handelt sich damit auch die Verpflichtung ein, auf ihre Einhaltung zu achten. Unterbleibt dies, kann eine "demoralisierte" Sub die Folge sein. Also lieber zu Beginn wenig Regeln mit Bedacht gesetzt, als gemeinsam im Regelchaos unterzugehen ;-). |
| Ein paar Tipps für den Dom: |
| Befehle nie um des Befehlens willen. Das würde beide bald langweilen. Folge dem Gefühl und bleibe authentisch. Wenn es Dir nichts gibt,dass Sub vor Dir kniet oder Dich mit "Herr" anspricht, gibt es für Dich persönlich in dieser Hinsicht auch nichts zu regeln. Ganz einfach ;-). |
| Einmal gesetzt, sollten Anweisungen, Regeln, Befehle, Bitten - wie auch immer - allerdings eindeutig sein und Bestand haben. Alles andere verunsichert die Sub. Kalkuliere aber unvorhersehbare Entwicklungen ein, die z.B. in Deiner Abwesenheit eintreten können, und lasse Sub für diese Fälle "einen Ausweg". |
| Werte Regelverstöße bitte nicht gleich als Angriff auf Deine Dominanz. Ergründe lieber gemeinsam mit Sub die Ursachen und helfe ihr gegebenenfalls, die Regeln einzuhalten. Natürlich hast Du auch jederzeit das Recht, die Regeln zu ändern, nicht wahr? Ach ja, und noch etwas: Du hast sogar das Recht, zu "verzeihen" ;-). Auch Ungerechtigkeit zählt zu Deinen Privilegien - wenn dies mit dem Partner so vereinbart wurde. Eine perfide Variante, in der Sub sich der Willkür von Dom ausliefert. Wenn Sicherheit und Vertrauen gewachsen sind, kann auch sie auf beiden Seiten durchaus lustvoll erlebt werden. |
| Und natürlich hast Du das Recht, gemeinsam mit Sub über "Regeln und ihre Folgen" zu lachen. Kuriose Auswirkungen nicht zu Ende gedachter Anweisungen fallen dann unter das dicke Kapitel Situationskomik :-). |
| Wenn Dom umstürzlerische Unterwanderungstendenzen zulässt - selbst schuld! Nein, im Ernst: Widerspenstige Subs üben auf manche Doms einen gewissen Reiz aus. Jedoch kann gerade für einen unerfahrenen Dom das Verhalten sogenannter "Pushy-Bottoms" die versuchen, "von unten" zu manipulieren ziemlich problematisch sein. Das ändert aber nichts daran, dass der Weg zwischen Gehorsam und Renitenz für viele Subs - nicht nur anfangs - ein launischer Zickzack- Kurs ist. |
| So weit mal, gleich mehr! |
| Für subs |
| Auch Subs sind Menschen und keine Engel. Auch Subs haben Rechte: Subs haben das Recht, in ihrer gesamten Persönlichkeit wahrgenommen und respektiert zu werden. Subs haben das Recht auf Gefühle - auch auf negative. Subs haben das Recht auf eine eigene Meinung. Subs haben das Recht, Doms zu kritisieren. Subs haben das Recht, Schmerzspiele abzulehnen. Subs haben das Recht auf Erfüllung ihrer Bedürfnisse - vielleicht nicht immer und sofort, aber in ihrer persönlichen "Gesamtbilanz":-). Subs haben das Recht, sich vor Überforderung zu schützen. |
| Sobald Dom weiß, was er will, hat Sub es bei der Richtig-oder-falsch- Frage scheinbar leichter: Ihr Dom wird es Sie schon wissen lassen, wenn Sie etwas "falsch" machen. Sie können also erst mal ganz locker bleiben ;-). Außerdem: Vorauseilender Gehorsam macht Dom arbeitslos. Und manche Doms mögen das nicht :-). Allerdings muss Sub längst nicht so "passiv" sein, wie die BDSM-lexikalische Nomenklatur suggeriert. Im Gegenteil: Sub-Sein ist kein Freibrief für eine hängemattige Konsumhaltung. Sub darf sich durchaus kreativ und aktiv in die Ausgestaltung der Beziehung oder Session einbringen. |
| Egal ob männlich oder weiblich - das Gesagte bezieht sich im Geiste immer auch auf die Domme und den Sub - gilt: Sub und Dom sind zwar gleichwertig, aber nicht gleichrangig. Als Sub hat man/frau die Macht und Entscheidungsbefugnisse an den dominanten Partner abgegeben - möglicherweise auf einen Zeitraum oder auf bestimmte Lebensbereiche begrenzt. Diese Vereinbarung ist nicht in Krupp-Stahl graviert. Wenn irgend etwas nicht oder nicht mehr stimmig ist, muss mit dem Partner darüber gesprochen werden! Schweigendes Leiden und Erdulden, falsch verstandener Stolz oder Ehrgeiz sind die gemeinsten Fallen, in die man/frau tappen kann. Aber innerhalb des gültigen Rahmens hat Dom das Sagen. Mache Vorschläge und äußere Wünsche, aber akzeptiere Seine Führungsrolle und lasse Ihm die nötigen Freiräume, Seine Form von Dominanz zu entwickeln. Kommentiere nicht sofort und detailreich jede Handlung Ihres Doms - zumindest wenn sich dies vermeiden lässt :-). Überfalle Dom bitte nicht eine Minute nach Ende einer Session mit Kritik - zumindest wenn sich dies auch auf einen späteren Zeitpunkt vertagen ließe. Kontrolle abzugeben - auch nur für kurze Zeit - kann anfangs schwer fallen. Sich in die Hände eines anderen Menschen zu begeben, erfordert Vertrauen, Mut und eigene Stärke. Gerade wenn der Partner in seiner dominanten Rolle noch unerfahren ist, wird mann/frau vielleicht daran zweifeln, dass Er auch immer weiß, was Er tut. Gib Ihm Gelegenheit, spüren zu lassen, dass Er es weiß. Geht gemeinsam in kleinen Schritten voran. Zum Beispiel mit dem gruppendynamischen Spielchen der Selbsterfahrungs-Ära: Stellt Euch mit geschlossenen Augen hin, spannt Euren Körper an und lasst Euch fallen - in die Arme des Partners. |
| Trotz aller Gespräche wirst du selbst erfühlen müssen, was Unterordnung und Gehorsam, Dienen und Demut, Schmerz und Auslieferung für Empfindungen in dir auslöst. Gib deinen Gefühlen eine Chance und verleugne sie nicht. Sind Sicherheit und Vertrauen gewachsen, wirst du vielleicht sogar deine Grenzen erforschen wollen. Die körperlichen und wie die seelischen. Rechne damit, dass das sensible Spiel um Scham und Demütigung tiefer und nachhaltiger wirken kann als die heftigste Schlag-Session. Du könntest aber auch damit rechnen, dass die sanfte Berührung deiner Grenzen unvergleichliche Gefühle von Lust und Glück, von Nähe und Intimität mit deinem Partner auslösen kann. |
| Du musst oder darfst übrigens - je nach Sichtweise - ebenfalls damit rechnen, dass dein dominanter Partner dich fordern wird. Gib ihm, was du kannst und was sich für dich gut anfühlt - ohne sich selbst unter Leistungsdruck zu setzen. so long, die 2.kurtisane |